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Foto: Familienarchiv | Aurora Rodonò

Veranstaltung, Performance-Installation

Videoinstallation: "In der Abwesenheit der Mutter der L."

Von belit sağ

Mit JASMINA ALIŠIĆ, ARA DINKJIAN, SEMINA DURANOVIĆ-OMEROVIĆ, ESMA OSMIĆ, LEJLA PARATUŠIĆ ohne Material aus dem DOMiD-Archiv

In Köln-Ehrenfeld, südlich der Zugstrecke am Ende der Lichtstraße liegt die Bosnisch Islamische Kulturgemeinschaft 'Gazi Husrevbeg'. Nördlich der Bahngleise, sitzt das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD).

Die in Amsterdam lebende, in der Türkei geborene Künstlerin belit sağ wollte diese beiden Orte miteinander verbinden. Sie wollte Erinnerungen aus dem nahegelegenen Archiv hinunter auf die Straße holen und im Innenhof der Kulturgemeinschaft durch eine großflächige Videoinstallation für alle zugänglich machen. Ausgangspunkt der Arbeit bildete ein Archivfund, dessen Verwendung ihr kurzfristig untersagt wurde – dutzende private Fotos, worauf das ‚L‘ im Titel verweist (es steht für Leihgeber*in). Die bewusste Umbenennung der Arbeit von Die Mutter der L. zu In der Abwesenheit der MUTTER DER L. soll den Verlust des Ausgangsmaterials sichtbar machen.

Mit neuem Fokus auf das Film- und Tonmaterial, das sie während ihrer Rechercheaufenthalte in Köln produzierte, fand belit sağ eine künstlerische Antwort auf die Abwesenheit des Archivmaterials.

Die Künstlerin traf auf junge Frauen, die im Chor der Bosnisch Islamischen Kulturgemeinschaft Ilahije singen – traditionelle Lieder religiösen Inhalts. Sie führte Gespräche mit Ara Dinkjian, dem armenisch-amerikanischen Komponisten der Melodie des Ilahija, das im Video gesungen wird. Diese Melodie war ihr vertraut. Sie erinnerte sağ an ein in der Türkei beliebtes Lied des verstorbenen kurdischen Sängers Ahmet Kaya. So bringt die Künstlerin verschiedene Versionen dieser Melodie und die Migrationsgeschichten der einzelnen Figuren miteinander ins Gespräch.

Mit In der Abwesenheit der MUTTER DER L. reflektiert belit sağ sowohl den Umgang mit Bildern, Kompositionen oder Dokumenten als auch die Zugänglichkeit von Archiven. Als Bewahren und Besprechen (‘conserving and conversing’) beschreibt die Künstlerin diesen rekontextualisierenden Zugriff auf das Material, den es stetig einzufordern gilt.

In Kooperation mit CityLeaks Urban Art-Festival und DOMiD - Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V.

Artist Talk am 21.09.2019

Mit JASMINA ALIŠIĆ, LEJLA PARATUŠIĆ und BELIT SAĞ
Moderiert von AURORA RODONÒ
19:00 - 20:00
Freier Eintritt
Sprachen: Deutsch/Englisch
Mit Flüsterübersetzung ins Bosnische

Ort: Bosnisch Islamische Kulturgemeinschaft 'Gazi Husrevbeg' e.V.,
Vogelsanger Straße 210, 50825 Köln

Über die Künstlerin

BELIT SAĞ ist eine in Amsterdam lebende Videokünstlerin. Sie studierte Mathematik in Ankara. Ihre künstlerische Entwicklung wurde stark von der Zusammenarbeit mit video-aktivistischen Kollektiven in der Türkei geprägt, wo sie den Kunstraum Karahaber und das Archivprojekt bak.ma mitbegründete. 2014 und 2015 war sie Stipendiatin der Rijksakademie in Amsterdam sowie 2016 und 2019 Stipendiatin des International Studio & Curatorial Programme (ISCP) in New York. Ihre Arbeiten wurden unter anderem bei den Internationalen Filmfestivals in Toronto, Rotterdam und New York präsentiert, im EYE Filmmuseum in Amsterdam, im MOCA, Taipeh und beim Tabakalera Film Seminar in San Sebastián gezeigt. 2019 ist belit sağ Fellow der Akademie der Künste der Welt.

Programmhinweise

Die Videoinstallation wird erstmalig im Rahmen des CityLeaks Urban Art Festival in Köln zu sehen sein.
Mehr zum Programm des MEMORY LAB auf den Seiten unserer Kooperationspartnerin, der Akademie der Künste der Welt, Köln.
Die Veranstaltung findet sowohl am 20.09.2019 als auch am 21.09.2019 statt.

Foto: Familienarchiv | Aurora Rodonò