Projekt Migration

30.09.2005 - 15.01.2006 | Köln

DOMiD realisierte das Projekt in Kooperation mit dem Kölnischen Kunstverein, dem Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt am Main sowie dem Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Förderer war die Kulturstiftung des Bundes.

Das Projekt umfasste eine Vielzahl von Forschungsprojekten, Kunstaktionen, Veranstaltungen und Filmprogrammen. Im Fokus dieser Arbeiten standen die Geschichte der Arbeitsmigration seit den 1950er Jahren sowie die durch diese Wanderungsbewegungen ausgelösten gesellschaftlichen Veränderungen.

 

Die Ausstellung

Zu der Vielzahl von durchgeführten Veranstaltungen und Aktionen zählte auch eine Ausstellung. Sie war von Herbst 2005 bis Anfang des Jahres 2006 an vier zentralen Orten in Köln zu sehen. Anlass bildete der 50. Jahrestag des deutsch-italienischen Anwerbevertrages am 20.12.2005. Er markierte den formalisierten Beginn von Migrationen zwischen verschiedenen Mittelmeerstaaten sowie Portugal und Deutschland.

Die Ausstellung stellte die gesellschaftsverändernden Wirkungen von Migration in den Mittelpunkt. So präsentierte sie ein von Migration mitgestaltetes Deutschland und Europa. Darüber hinaus entwickelte sie aus der Betrachtung der Geschichte und Gegenwart heraus die Frage nach dem Zukunftspotential von Migration.

 

Der Katalog

Ein mehrsprachiger Katalog im DuMont Verlag ergänzte die Ausstellung. Er umfasst fotografisches und künstlerisches Bildmaterial, Dokumente und Interviews sowie Essays internationaler WissenschaftlerInnen. Für seine außergewöhnliche Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung wurde er 2005 mit dem Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.

Der Katalog kann über DOMiD bezogen werden.

 

Pressestimmen

Die Ausstellung stieß auf ein reges öffentliches Interesse:

"Das Projekt Migration macht deutlich, dass Migration und Integration nicht nur die Zugewanderten angeht. Jede und jeder findet in der Ausstellung zahlreiche Berührungspunkte zur eigenen Biographie und den Auswirkungen von Zuwanderung auf die eigene Lebenswirklichkeit. Ich würde mir wünschen, dass wir nicht nur über die Defizite und Probleme sprechen, sondern auch die Chancen und Potentiale stärker wahrnehmen, die mit Zuwanderung verbunden sind. Die Ausstellung bietet dazu viel Anlass." NRW-Integrationsminister Armin Laschet zur Ausstellung Projekt Migration in Köln, aus: "Wichtige Auseinandersetzung mit der Zuwanderungsgeschichte", Veröffentlichung des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, 09.01.2006.

"Unternehmen wie dieses "Projekt Migration" leisten einen wichtigen Beitrag zur Diskussion aktueller gesellschaftlicher Fragen in Europa. (...) Mit den Mitteln der Kunst können Dinge aufgezeigt werden, die über das politisch unmittelbar Relevante oder das statistisch Erfassbare hinausreichen. (...) Genau das versucht die Kölner Schau." Aus: "Zwischen Koffer und Kinderwunsch", in: Neue Züricher Zeitung, 11.11.2005.

"Wo in Grenzgebieten heute von der BRD aus Arbeitsmigration stattfindet und im Osten ganze Landstriche entvölkern, beginnt mit Projekten wie diesem ein Verstehen, dass und wie ehemalige Urlaubsreisende zu Migranten werden. Diesen Wandel der Lebensverhältnisse in seiner kulturellen wie aktuellen Brisanz zu beleuchten, gelingt "Projekt Migration" mit Informationen und Präsentationen, die mehr als einen temporären Standort verdienen." Aus: "Vom Kommen und Gehen", in: Frankfurter Rundschau, 22.10.2005.

"Vor allem erfährt man in Köln vieles, was in Vergessenheit geraten ist. (...) So viele Erinnerungen. So viele Geschichten. Und Geschichte, deutsche Geschichte. Warum sie uns erst jetzt interessiert, im sicheren Raum der Ausstellung?" Aus: "Mein erstes Radio", in: Der Tagesspiegel, 10.10.2005.

"Das "Migrationsprojekt" hebt keine Einwanderergruppe hervor, es prangert weder die Exklusionsmechanismen der deutschen Gesellschaft an, noch mündet es in der Selbstausgrenzung von Muslimen in Berlin oder Köln. Es ruft Geschichten von glücklicher (Frauen-)Emanzipation ins Gedächtnis, von Einsamkeit und Heimweh, es dokumentiert Arbeitskämpfe und häusliche Idyllen. Es schließt nicht nur eine historiografische Lücke in der Geschichte der Bundesrepublik, sondern auch eine in ihrer Selbstwahrnehmung." Aus: "Einwandern, Schätze suchen", in: Die Zeit, 06.10.2005.

 
Fotos: Einer der vier Ausstellungsorte, DOMiD-Archiv
Cover des Katalogs "Projekt Migration"