Anlässlich des 40. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens zeigte DOMiD vom 27. Oktober bis 23. November 2001 im Historischen Rathaus der Stadt Köln eine zweisprachige Ausstellung (deutsch/türkisch) zur Geschichte der Migration aus der Türkei nach Köln. Sie stellt eine Weiterentwicklung der Ausstellung "Fremde Heimat. Eine Geschichte der Einwanderung aus der Türkei." dar, die DOMiD von Februar bis August 1998 im Ruhrlandmuseum in Essen präsentierte.

Am 26. Oktober 1961 kamen die ersten Arbeitsmigranten aus der Türkei in Köln an. Ihr neuer Arbeitplatz waren die Ford-Werke. In den folgenden Jahren wurde die Stadt zu einem Zentrum der Arbeitsmigration aus der Türkei. Die Weidengasse in der Innenstadt und die Keupstraße in Köln-Mülheim entwickelten sich mit ihren türkischen Läden, Teestuben, Reisebüros, Import-Export-Geschäften und Restaurants zu beliebten Wohngegenden für die "Gastarbeiter". Die Kölner Stadtteile Ehrenfeld, Nippes, Chorweiler, Mülheim und Kalk haben heute einen ähnlich hohen türkischsprachigen Bevölkerungsanteil wie der Berliner Stadtteil Kreuzberg. In Köln entstand der erste türkische Arbeiterverein und in Troisdorf bei Köln bildete sich der erste Ausländerbeirat in Deutschland. Schnell wurde die Rheinmetropole neben Frankfurt am Main und München zum Zentrum der türkischsprachigen Schallplatten-, später der Musikkassettenindustrie. Auch heute noch gibt es Auswirkungen der zentralen Bedeutung Kölns zu Beginn der Arbeitsmigration aus der Türkei. Die Mehrzahl der Dachverbände, die sich innerhalb dieser Migrationsgruppe gebildet haben, hat ihren Sitz in Köln. Das gilt sowohl für die sozialen Selbsthilfeorganisationen, z.B. die 'Arbeitervereine', wie auch für die zahlreichen kulturellen, politischen und religiösen Organisationen.

Die Ausstellung erzählte die Geschichte der Einwanderung aus der Perspektive der sogenannten "Gastarbeiter", ihrer Nachbarinnen, Freunde und Kolleginnen. Sie umfasste den Zeitraum von 1961 bis 1990. Dabei richtete sie den Blick insbesondere auf die Anfänge der Migration, die Anwerbung von ArbeiterInnen aus der Türkei, das Leben in den Wohnheimen, die Arbeit in der Fabrik, die Freizeitgestaltung, das Zusammenleben mit den deutschen Nachbarn und den Niederlassungsprozess der Ersten Generation. Insgesamt wurden über 400 Exponate gezeigt, darunter persönliche Erinnerungsstücke, Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Objekte, Dokumente, Fotografien, Briefe und Zeitungsberichte. Es wurden Führungen auf Deutsch und auf Türkisch angeboten, die vor allem von Schulklassen begeistert in Anspruch genommen wurden.
Die Ausstellung räumte mit manchen Mythen auf, die sich "Deutsche" von "Türken" machten. Sie förderte überraschende Geschichten von Menschen ans Licht, die so gar nicht den gängigen Klischees entsprachen, und konnte damit zum besseren Verständnis zwischen der Mehrheitsgesellschaft und einer Minderheit, die dieses Land entscheidend mitgeprägt hat, beitragen.
Die Ausstellung stieß auf ein reges öffentliches Interesse. Sie war sowohl bei deutschen BesucherInnen, als auch bei türkischen MigrantInnen ein großer Erfolg. Im Gästebuch finden sich zahlreiche Kommentare zur Ausstellung, die belegen wie wichtig die museale Aufarbeitung des Themas "Einwanderung" ist.

Gemeinsam mit der Forschungsstelle für interkulturelle Studien (FiSt) der Universität Köln hat DOMiD am letzten Tag der Ausstellung in der Universität Köln eine Tagung zur "Geschichte und Gegenwart der Migration in Köln" durchgeführt.
Zu der Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog erschienen, in den neben vielen Fotos und Abbildungen von Ausstellungsgegenständen auch die Leittexte der Ausstellung aufgenommen wurden.
Die Ausstellung wurde gefördert durch: - Bundesanstalt für Arbeit bzw. Arbeitsamt Köln; - Deutsche Telekom; - Ford Werke AG; - Kulturamt Köln; - Ministerium für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen; - SeS media & communications GmbH; - Stadt Köln.

"40 Jahre Fremde Heimat." befasste sich schwerpunktmäßig mit der Arbeitsmigration aus der Türkei nach Köln. Es besteht die Möglichkeit eine ähnliche Ausstellung auf Basis des bereits vorhandenen Materials auch für andere Städte oder Regionen zu konzipieren. Die jeweiligen regionalen Besonderheiten können sowohl in die Ausstellung, als auch in den Katalog eingearbeitet werden. Dafür sind etwa zwei- bis dreimonatige Recherchen vor Ort notwendig.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: DOMiD, Bonner Straße 211, 50968 Köln, Tel.: 0221/ 800 28 30, Fax: 0221/ 800 28 31, E-Mail: info@domit.de
Fotos: "Ausstellung im Historischen Rathaus Köln", Dietrich Hackenberg, Manfred Wegener